Seelöwenzählen am Pier 39, Dock-K in der Bay von San Francisco. Eher eine Tätigkeit zum wach werden, als eine Einschlafhilfe. Bei ihnen ist es noch neun Stunden früher am Tag, wenn ich mich gegen Abend, schon etwas müde, zuschalte.

Die Kalifornischen Seelöwenmännchen sind mähnenlos, nur dunkler gefärbt als die Weibchen. Sie gelten als gelehrsam und verspielte Rasse, die oft in Zoos und Zirkussen ihre Kunststückchen vollbringt. Hier halten sie Pontons schunkelnd in Schwung, beim Hinauf- und Herabgleiten, was sie nicht selten in einer einzigen Übung vollziehen. Nicht immer ganz freiwillig, ist zu beobachten. Schießt so ein glänzender Seelöwe auf einen noch nicht voll belegten Ponton, haben die Erstbesetzer offenbar kein gesteigertes Interesse daran, den Ponton sofort bereitwillig mit dem nass polierten Zuhupf zu teilen und drängen ihn wieder hinab in die Bucht. Besonders der Ponton mit dem dunkelblauen Schild, der weniger Platz als die anderen bietet, scheint heiß umkämpftes Revier zu sein. Unter dem Schild stellt ein Seelöwe seine gemalte Silhouette auf dem Schild nach. Here I am, as you all can seal! San Franciscos Sea Lebrities nennt man sie.

Auf allen anderen Pontons liegen sie dicht an dicht und wirken wie etwas lustlos aus der Konditorspritze gedrückte Marzipanverzierungen auf rechteckigen Kuchenstücken. Vielleicht haben sie die Pontons auch aufgeteilt nach Ruhe- und Aktionsflächen? Sie schlingen ihre aufgereckten Hälse umeinander, eine etwas krude Begrüßung zwischen Kräftemessen und Schmusen.

Die von den Möwen verkackten Pontons nahe der Zuschauerbalustrade meiden sie. Wenn man als Möwe mal wo hin macht, hat man vermutlich gute Chancen, dass keine andere Art mehr an dem verschissenen Revier interessiert ist. Vielleicht ist das auch eine Art Brettspiel, wo Möwen und Seelöwen, also zwei Sorten von –öwen, Pontown erobern wollen und noch ist nicht entschieden, wer gewinnt.